siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Pozzallo: Die Gemeinde verwendete die für die Migrant*innen vorgesehenen Gelder für eigene Zwecke: Um Wartungsarbeiten der Sporthalle und um Überstunden der Mitarbeiter*innen zu bezahlen


Die Staatsanwaltschaft Ragusa hat für 6 Mitarbeiter*innen der Gemeinde Anklageschrift eingereicht. Alle übten Ämter innerhalb des Aufnahmezentrums aus und jetzt werden sie der betrügerischen Handlungen in der öffentlichen Versorgung angeklagt. Zum Beispiel hatten sie überzogene Rückerstattungen angefordert: 50 tausend Klopapierrollen, wo nur 700 gekauft wurden oder Matratzen, die als Polsterung für eine Moto-Cross-Rennbahn endeten. 

Hotspot von Pozzallo. Foto: Andrea Gentile

Dienstag, 24. Januar 2017

Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr Sohn getötet wurde

Viele, zu viele solcher Telefongespräche während des letzten Wochenendes! Zu viele Meldungen von Müttern und Vätern, Schwestern und Brüdern, die auf Nachrichten warten von ihren Angehörigen, die Opfer unseres Abwehrkampfes gegen die Migrant*innen. Ein Kampf, der jeden Tag Opfer fordert: während des Wochenendes vom 13. – 15. Januar 2017 starben auf Grund der europäischen Migrationspolitik mehr als 200 Personen.

Freitag, 20. Januar 2017

Lampedusa zählt die Toten

Das Meer unterscheidet nicht, es ist in keiner Weise rassistisch und es verschluckt alles, was wir anbieten: Und es sind die Menschen auf Lampedusa, die weinen, sie, die weiterhin die Toten zählen und einsammeln. Die Toten haben eins gemeinsam, sie wurden von diesem System arm gemacht: Fischer, die dem Meer die Stirn bieten, um leben zu können und die eigenen Familien zu ernähren und Migrant*innen, die Freiheit suchen und die eigenen Familien ernähren möchten. 2017 hat begonnen wie 2016 geendet hat, mit Toten über Toten, mit der täglichen Tötung von Jugendlichen, Frauen und Kindern. Menschenopfer ohne Ende.

Freitag, 13. Januar 2017

Newsletter SICILIAMIGRANTS – Dezember 2016

• Noch immer Tote und Vermisste in der Straße von Sizilien, aber die Festung Europa verstärkt die bewaffnete Kontrolle der Grenzen
• Die ungewisse Zukunft der unbegleiteten Minderjährigen Geflüchteten, zwischen Überbelegung, gemischter Belegung und unendlichem Warten
• Asylsuchende in Ländern an der Grenze inhaftiert: Das Scheitern des Ansatzes Hotspot
• Messina: 1.932.000€ für den Aufbau einer Zeltstadt auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Gasparro bereit gestellt
• Informationen und Kontakte

Donnerstag, 5. Januar 2017

Unbegleitete Minderjährige in Zeltstädten und Hotspots. Die Fälle von Pozzallo, Augusta, Catania und Messina

2016 endet mit weiteren Ankünften, Toten, Vermissten. 2017 beginnt mit dem Vorschlag für neue Haftzentren und weitere Eingrenzung der Bewegungsfreiheit der Migrant*innen. Die kriminelle Politik der Festung Europa verursacht immer mehr Auseinandersetzungen und aktive Gedenk- und Solidaritätsmaßnahmen. Am 24. Dezember kamen in Pozzallo 111 Migrant*innen an Land, aber die Berichterstattung konzentriert sich nur auf die unmittelbaren Festnahmen der zwei mutmaßlichen Schleuser. Hiermit sind es 200 Festnahmen im Jahr 2016 in der Provinz von Ragusa, Sizilien. 
Der Hotspot von Pozzallo - Foto: Lucia Borghi

Sonntag, 1. Januar 2017

Verlieren wir die Hoffnung nicht, und auch nicht die Kraft, da zu sein

2016 ist vorbei und beim Lesen einiger Berichte des eben vergangenen Jahres habe bin ich auf den letzten Bericht von 2015 gestoßen. Er trug den Titel: „Zum Glück ist 2015 vorbei“. Wir können diesen Titel nicht noch einmal benutzen, indem wir nur das Datum ändern, denn 2016 war noch todbringender, die Dynamiken haben sich wiederholt und sind sogar noch gewaltvoller als 2015 geworden. 
Die Zahlen der täglichen Blutbäder sind furchtbar, die offiziellen Statistiken berichten von mehr als 5000 Toten, nie zuvor wurde auf dem Meer so viel gestorben wie in diesem Jahr. Diese Zahlen werden noch nicht einmal all jenen Toten gerecht, zu denen wir vor oder nach der Überquerung des Meeres beitragen.
Diese Zahlen scheinen wie eine Verurteilung all jener, die am Ende ihrer Kräfte sind und bisher keinen Waffenstillstand erlebten; und was machen unsere Politiker*innen?

Samstag, 24. Dezember 2016

Auch der Abfall landet in schwarzen Säcken

Am Freitag, den 16. Dezember, sind wir zum Hafen von Palermo gefahren, um die 388 Migrant*innen willkommen zu heißen, die über den Tod gesiegt hatten und an Bord des spanischen Militärschiffes Navarra angekommen waren. Zusammen mit den Überlebenden ist auch ein Leichnam angekommen. Den Mitarbeiter*innen der Ämter und Hilfsorganisationen, die sich am Hafen befanden, um die Landungsoperationen zu begleiten, wussten nicht von dem Leichnam, bis zur Ankunft des Schiffs in Palermo.  Wahrscheinlich ist dieser Mensch, der in einem schwarzen Sack an Land gebracht wurde und von dem immer am Hafen anwesenden Comboni-Missionar gesegnet wurde, erst nach der Rettung im Meer auf dem Weg nach Palermo verstorben. Er litt an Diabetes und hat es nicht geschafft, unter psychophysischem Stress und den unmenschlichen Bedingungen den ungleichen Kampf zu gewinnen. Der Tod hat wieder einmal mit Hilfe der Europäischen Migrationspolitiken gewonnen.