siciliamigranti.blogspot.com ist ein italienischsprachiges Monitoringprojekt zur Situation der Flüchtlinge in Sizilien, dort finden Sie die Original-Berichte, hier finden Sie die deutschen Übersetzungen. Klicken Sie auf die auf die Namen der Schlagworte (keywords), wenn Sie bestimmte Themen suchen.

Dienstag, 15. November 2016

Handelsware: Überleben in einem zurückweisenden System

Die Geschichte von A. wiederholt sich in vielen anderen Orten auf Sizilien und betrifft nicht nur Minderjährige, sondern auch Männer und Frauen, die schon seit etlichen Monaten hier sind und die von den selben Institutionen, die sie schützen sollten, zurückgewiesen werden. In den letzten Wochen am Hafen von Catania sind mehr als tausend Migrant*innen angekommen: Allein am Sonntag waren es 850 Menschen an Bord des Schiffes Bourbon Argos und einige Tage zuvor kamen außerdem 288 zusammen mit 20 Leichnamen an.

Donnerstag, 10. November 2016

Palermo: 50 zurückgewiesene Migrant*innen ziehen ziellos umher. Sie haben kein Geld für die Reise

Quelle: Repubblica.it

Die Vereine des Freiwilligenhilfsdienstes schlagen Alarm: „Dieses System schafft Unsichtbare.“

250 Menschen aus dem Maghreb, vornehmlich marokkanischer Herkunft, sind zusammen mit weiteren 798 Migrant*innen am Montagmorgen an Bord der Dattilo angekommen. Sie haben, nachdem sie für fast 30 Stunden im Hafen festgehalten wurden, die zweite Nacht in Kälte und Regen in der Stadt verbracht, mit dem Zurückweisungsbescheid in der Tasche. Wie vom Gesetz vorgesehen, haben sie jetzt 7 Tage Zeit, „sich freiwillig zu entfernen“. Von diesem Augenblick an haben sie kein Anrecht mehr auf irgendeinen Schutz auf italienischem Territorium. Unter ihnen sind auch drei Libyer*innen.

Freitag, 4. November 2016

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Trapani

Drei Ausschiffungen pro Woche sind auch für Trapani, wo es keinerlei Perspektive für die Ankommenden, sondern nur unüberwindliche Mauern gibt, zu viel. Mehr als 1000 Menschen bei drei Ausschiffungen haben den Mechanismus eines Hotspots*, der im allgemeinen besser als andere funktioniert, auf eine harte Probe gestellt.

Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Agrigent

Den letzten Angaben nach scheint Zurückweisung wieder gängige Praxis in den sizilianischen Polizeidirektionen zu sein. Letzte Woche wurden in Agrigent 26 Marokkaner*innen und 3 Algerier*innen abgewiesen, nachdem sie mit einer Fähre aus Lampedusa in Porto Empedocle angekommen waren. Mit ihnen zusammen war auch ein Tunesier gereist, der als „mutmaßlicher Schleuser“ festgenommen wurde. Aus der Fähre, die die Pelagischen Inseln mit Sizilien verbindet, sind ferner ca. zwanzig unbegleitete minderjährige Geflüchtete ausgestiegen, die sich zu den vielen Minderjährigen gesellen werden, die schon in den unzähligen Aufnahmezentren der Provinz Agrigent untergebracht sind. Die Konzentration von Erstaufnahmezentren für Minderjährige, die wie immer als Notlösung funktionieren, ist hier die höchste im ganzen Land.



Von der Schwierigkeit, Menschen aufzunehmen: Lampedusa

Es befinden sich ganze 850 Menschen im Hotspot von Contrada Imbriacola auf Lampedusa, einer Einrichtung (in teilweise unbenutzbaren Zustand), die nur auf 250, maximal 300 Menschen ausgelegt ist. Das hat zur Folge, dass den Menschen hier täglich Unmenschliches widerfährt. Auf Lampedusa sind Misshandlungen nur möglich, weil die Insel weit weg von Augen und Herzen der Öffentlichkeit liegt. Hier wird Minderjährigen, Frauen und anderen Menschen, die besonderen Schutz brauchen Leid angetan, das wider das Gesetz ist. Hier werden Menschen festgehalten, ohne sie nach dem Geschlecht zu trennen, ohne dass mehrere Monate etwas passiert. Hier können sie vor der Öffentlichkeit und vor humanitärer Hilfe verwahrt werden, in einem Hotspot, der off-limits ist und den Zugriff erschwert.

Montag, 31. Oktober 2016

Kampagne #overthefortress: eine zweimonatige Reise von Sizilien nach Rom auf der zentralen Mittelmeerroute und darüber hinaus

Quelle: Meltingpot.org

40 Etappen, 3400 Kilometer, ein Camper: nimm teil an der Reise und unterstütze das Crowdfunding!

Der Camper von #overthefortress schifft sich im Hafen von Igoumenitsa nach Süditalien ein um Umfragen und unabhängigen Austausch Seite an Seite mit Migrant*innen und der Gesellschaft vor Ort zu verwirklichen, um Gemeinplätze und vorherrschende Meinungen zur Diskussion zu stellen, um einer guten Aufnahmepolitik, der Solidarität und zivilem Engagement dem Weg zu bereiten.



Mittwoch, 26. Oktober 2016

Libysche Küstenwache greift Flüchtlingsboot und Sea-Watch an

In der Nacht zu Freitag (21.10.2016) kam es nun zu einem Übergriff der Libyschen Küstenwache auf eine unserer Rettungsaktionen, in dessen Folge bis zu 30 Flüchtende ertranken. Ein Schnellboot der Libyschen Küstenwache hatte zunächst die Rettungsaktion in internationalen Gewässern, mit der unser Schiff Sea-Watch 2 von der Rettungsleitstelle in Rom beauftragt worden war, behindert und anschließend eine Paniksituation verursacht in deren Folge fast alle der ca. 150 Insassen ins Wasser fielen und viele dabei ertranken.


Foto: Seawatch / Christian Ditsch
 Den ausführlichen Bericht der Geschehnisse finden Sie hier